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„Für uns ist es immer das MT geblieben“

Ein Interview mit den beiden Frauen, die das Musiktheater zurückholten

Die Stimmen, die das Musiktheater zurückforderten, wurden im lauter…

Redaktion: Alena und Miriam, ihr steht nicht nur an der Theke, sondern schmeißt abends den gesamten Laden. Lasst uns aber gar nicht um den heißen Brei herumreden: Warum kamt ihr auf die Idee, dass das 130bpm wieder zum Musiktheater werden muss?

Alena: Für uns im Team hat sich der Name eigentlich nie verändert. (lacht) Wir sagen immer: „Wir arbeiten im MT.“

Redaktion: Musikalisch war der Laden aber nicht immer das MT, oder? Nach der Namensänderung war ja von Elektro bis Techno alles dabei…

Alena: Das stimmt. Doch die Musik, die jetzt gespielt wird, ist das MT. Wir haben gelernt, dass beim musikalischen Programm nichts besser funktioniert, als das, was wir am besten können: Rock, Alternative, Metal und Hardcore. Mit dem Namen „130bpm“ kann man diese Musikstile auf jeden Fall nicht identifizieren.

Miriam: Ja, das führt zu Verwirrung bei den Leuten. Die eine Seite sagt „Hey, warum werdet ihr nicht einfach wieder zum Musiktheater“ und gleichzeitig gibt es Menschen, die wegen des Namens denken, bei uns würde Techno gespielt. Das Musiktheater muss zurück, weil wir schließlich auch namentlich repräsentieren müssen, was die Besucher erwartet.

Redaktion: Ihr habt beide von der Veränderung des musikalischen Programms gesprochen. Welche Musik wird denn jetzt gespielt?

Miriam: In der kleinen Halle treffen sich alle, die es härter mögen. Die große Halle spricht eher die breite Masse an, da ist für jeden etwas dabei.

Alena: Ja, in die große Halle kannst du auch gehen, wenn du keinen Rock magst. Da legt das Re.Born-DJ-Team eine ganz bunte Mischung auf. Von den Foo Fighters über Kraftklub bis hin zu HipHop-Hits ist alles dabei – eben nicht so hardcorelastig.

Miriam: Zwischendurch läuft mal ein Klassiker, den man lange nicht mehr gehört hat und die Leute feiern es total. (lächelt)

Redaktion: Und die Stimmung in der kleinen Halle mit dem Rage-Royal-DJ-Team?

Alena: Es gibt keinen Abend, wo die kleine Halle leer ist. Viele haben sich damals gewünscht, dass es wieder einen Raum für Härteres gibt. Die Leute, die hier hinkommen, würden sich beim Re.Born-DJ-Team musikalisch nicht wohlfühlen. Es ist beeindruckend, dass sie nur wegen der kleinen Halle kommen.

Miriam: Wir kennen viele Kleine-Hallen-Gänger mittlerweile schon, weil sie einfach jedes Wochenende da sind. Sie feiern die Musik jedes Mal wieder richtig – das finde ich cool.

Redaktion: Vor einem Jahr wurde in den Hallen noch Techno gespielt. Warum wollt ihr solche Musik nicht mehr?

Miriam: Bei der Entscheidung ging es nicht primär darum, was uns gefällt, sondern den Besuchern. Zum einen spricht die Techno-Sparte nur einen kleinen Teil an Menschen an. Zum anderen haben viele die Musik des MTs zurückgefordert. Außerdem hat sich die Stimmung, seitdem wir andere Musik spielen, zum Positiven verändert – auch auf der Tanzfläche.

Redaktion: Wie hat denn die musikalische Veränderung die Atmosphäre auf der Tanzfläche beeinflusst?

Alena: Techno hat ja so seinen ganz eigenen Tanzstil – Abzappeln könnte man es nennen. Dabei tanzen aber alle gleich. Bei Re.Born und Rage Royal wirken die Tanzstile viel harmonischer und individueller – Jeder kann so tanzen, wie er sich gerade fühlt.

Redaktion: Andere Musik, andere Typen von Menschen, sagt man ja. Hat sich an den Besuchern auch etwas verändert?

Miriam: Am Publikum hat man eine starke Veränderung gemerkt – und zwar deutlich zum Positiven. Die Leute sind viel besser drauf.

Alena: Es ist sehr angenehm, weil die Menschen viel höflicher und sozialer geworden sind. Die kommen einfach her, um Spaß zu haben, zu tanzen und einen schönen Abend zu verbringen.

Redaktion: Das Musiktheater haben viele herzlichst vermisst. Nun ist es bald wieder zurück. Haben euch, schon vor der Namensänderung, Besucher auf das neue, MT-nahe Musikprogramm angesprochen?

Miriam: Neulich kam ein Kunde zu mir und meinte, es sei fantastisch, dass sich der Laden so positiv gewandelt und trotzdem weiterentwickelt habe. Er meinte, für ihn sei er immer das MT geblieben. Zudem entdecke ich viele neue Gesichter auf der Tanzfläche, die von unserem musikalischen Programm überrascht sind.

Alena: Viele Menschen kommen an die Theke und sagen: „Hey, euer Name passt ja gar nicht mehr zu euch.“ Das meinen sie aber positiv, denn viele haben zum MT eine emotionale Bindung.

Redaktion: Vor allem du, Alena, hast die gesamte Entwicklung des Musiktheaters alias 130bpm ja selbst miterlebt. Wie fandest du den Umschwung zu Techno und wieder zurück persönlich?

Alena: Ich war früher selbst oft im MT tanzen, deshalb habe ich angefangen dort zu arbeiten. Als es zum 130bpm wurde, fand ich das schon schade: Man hing ja irgendwie am Musiktheater. Umso besser fühle ich mich jetzt, weil Miriam und ich es geschafft haben, den Namen wieder zu ändern. Es ist einfach ein gutes Gefühl, denn ich weiß, dass das Musiktheater und dessen Programm so vielen Menschen gefallen wird.

Redaktion: Was gefällt euch denn selbst an eurem Arbeitsplatz, abgesehen von der Musik?

Miriam: Es gibt auf jeden Fall immer viel zu tun! Mir gefällt, dass wir so ein gutes Team im Laden und hinter der Theke sind. Wir versuchen uns, stetig weiterzuentwickeln und mit den Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Alena: Besonders finde ich, dass wir der einzige Club in Kassel sind, der behindertengerecht ist. Wir wurden schon darauf angesprochen, dass es tatsächlich Konzerte und Clubs gibt, wo Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht rein gelassen werden.

Redaktion: Das klingt ja, als wärt ihr sehr zufrieden. Gibt es denn etwas, was ihr euch für die Zukunft wünscht?

Miriam: Die Leute sollen häufiger auf uns zugehen! Für Ideen und Anregungen sind wir nämlich immer offen.

Alena: Stimmt! Schließlich sind wir auch nur Menschen und kennen nicht alle Bands. Wenn ihr denkt, dieser Song oder diese Band würde hier gut reinpassen, sprecht uns einfach an oder schreibt eine Mail. Wir geben alles weiter und gucken, was wir tun können. Ansonsten…Bleibt mir nur noch zu sagen: Wir freuen uns auf ein gemeinsames Musiktheater mit euch!

(Ein Interview von Eva-Sophia Haußen, 130bpm/Musiktheater-Redaktion)

Alena Brunst (24) aus Hofgeismar ist eigentlich Auszubildende als Bauzeichnerin. Schon als Jugendliche hat sie sich im MT wohlgefühlt, kommt sie doch eher aus der alternativen Rockszene. Deshalb hat sie auch 2013 angefangen, in dem Musik – und Veranstaltungszentrum zu arbeiten. Relativ schnell hat Alena sich zur Abendbetriebsleitung gemausert und schmeißt seitdem den Laden am Wochenende. An einem perfekten Arbeitstag müssen für sie dabei die Foo Fighters, Biffy Clyro, Good Charlotte und Blink182 laufen, deswegen ist sie froh, dass der Techno mittlerweile abgeschrieben ist.

Miriam Herche (28) ist ganz frisch im Team dabei und konnte die jüngsten Entwicklungen somit aus einer anderen Perspektive betrachten. Seit Frühling letzten Jahres steht sie an der Theke, seit drei Monaten greift sie Alena bei der Abendbetriebsleitung unter die Arme. Nicht nur ihre Art, auch ihr Musikgeschmack lässt sich gut als „offen“ beschreiben. Sie hört alles Querbeet, nur harte Sachen und Techno sind nicht so ihr Ding. Welche Musik gut ist, findet sie, hängt von der Stimmung ab.

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